Die Verschlusszeit – auch Belichtungszeit genannt – bestimmt, wie lange Licht auf den Bildsensor oder Film fällt. Sie ist neben Blende und ISO ein zentraler Teil des Belichtungsdreiecks.

Kurz erklärt: Die Verschlusszeit regelt, wie lange der Kameraverschluss geöffnet bleibt. Kurze Verschlusszeiten wie 1/1000 s frieren schnelle Bewegungen ein. Lange Verschlusszeiten wie 1/10 s oder mehrere Sekunden machen Bewegungen sichtbar – zum Beispiel fliessendes Wasser, Lichtspuren oder Mitzieher.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Verschlusszeit?

Wenn Sie Ihre Augen schliessen und dann ein Auge kurz öffnen und wieder schliessen, haben Sie die Systematik des Kameraverschlusses nachgespielt.

Die Verschlusszeit beschreibt, wie lange der Vorhang der Kamera offen ist und damit Licht auf den Aufnahmesensor oder Film fällt. Ist die Verschlusszeit doppelt so lang, fällt doppelt so viel Licht auf den Sensor. Sie beeinflusst aber nicht nur die Helligkeit eines Bildes, sondern auch die Darstellung von Bewegung.

Mit einer kurzen Verschlusszeit können Sie schnelle Bewegungen scharf abbilden. Wir sprechen davon, eine Bewegung einzufrieren. Mit einer längeren Verschlusszeit wird Bewegung dagegen sichtbar – etwa bei Wasser, Autoscheinwerfern oder bewusst verwischten Hintergründen.

Lange Verschlusszeit bei einer Autofahrt durch einen Tunnel
Autofahrt durch Tunnel, Sony DSC-RX100iii, Zeiss f/1.8–2.8 24–70 mm, 24 mm KB, 1/20 s, f/2.2, ISO 125

» Richtig belichten

Mechanischer oder elektronischer Verschluss

Beim mechanischen Verschluss bewegen sich zwei Verschlussvorhänge vor dem Bildsensor. Je nach Verschlusszeit bleibt der Sensor kürzer oder länger dem Licht ausgesetzt.

Beim elektronischen Verschluss wird der Sensor elektronisch ausgelesen. Dadurch sind sehr kurze Verschlusszeiten und schnelle Serienbilder möglich. Das ist besonders bei Sport-, Tier- oder Actionfotografie interessant. Je nach Kamera und Motiv können beim elektronischen Verschluss aber auch Verzerrungen auftreten, wenn sich das Motiv sehr schnell bewegt.

Typische Verschlusszeiten

Verschlusszeiten werden meist in ganzen, halben oder Drittels-Schritten angegeben. Ganze Schritte sind zum Beispiel:

30 s, 15 s, 8 s, 4 s, 2 s, 1 s, 1/2 s, 1/4 s, 1/8 s, 1/15 s, 1/30 s, 1/60 s, 1/125 s, 1/250 s, 1/500 s, 1/1000 s, 1/2000 s, 1/4000 s.

Moderne Kameras erlauben oft Verschlusszeiten bis 1/4000 s oder 1/8000 s. Für Langzeitbelichtungen sind mehrere Sekunden oder Minuten möglich. Mit der Bulb-Einstellung können Sie sogar noch länger belichten.

Wenn Sie mit Zeitautomatik A oder Av, Blendenautomatik S oder Tv oder Programmautomatik P fotografieren, ist die Verschlusszeit immer mit Blende und ISO gekoppelt.

Wenn Sie den Blendenwert um eine Stufe öffnen – zum Beispiel von f/8 auf f/5.6 –, fällt doppelt so viel Licht auf den Sensor. Damit das Bild gleich hell bleibt, kann die Kamera eine kürzere Verschlusszeit wählen. Genau dieses Zusammenspiel erklärt das Belichtungsdreieck.

Nur im manuellen Modus M wählen Sie Blende, Verschlusszeit und ISO bewusst selbst.

» Belichtungssteuerung – die Übersicht

Welche Verschlusszeit fĂĽr welches Motiv?

Die passende Verschlusszeit hängt vor allem davon ab, ob Sie Bewegung scharf einfrieren oder bewusst sichtbar machen möchten. Die folgende Tabelle gibt Ihnen praktische Startwerte:

Motiv oder Situation Empfohlene Verschlusszeit Bildwirkung
Stillleben, Landschaft vom Stativ beliebig, je nach Licht scharf, wenn die Kamera stabil steht
Menschen, die ruhig stehen ca. 1/60 s bis 1/125 s meist scharf aus der Hand
Spaziergänger ca. 1/125 s bis 1/250 s Bewegung weitgehend eingefroren
Kinder beim Spielen ca. 1/500 s schnelle Bewegungen schärfer
Sport und Action ca. 1/1000 s oder kĂĽrzer Bewegung eingefroren
Vögel im Flug ca. 1/1600 s bis 1/2500 s Flügelbewegung wird schärfer
Mitzieher ca. 1/30 s bis 1/125 s Motiv relativ scharf, Hintergrund verwischt
Fliessendes Wasser weich darstellen ca. 1/4 s bis mehrere Sekunden Wasser wirkt weich und fliessend
Lichtspuren bei Nacht mehrere Sekunden Lichtlinien werden sichtbar

Welche Verschlusszeit bei Wasserfällen?

Bei Wasserfällen oder fliessendem Wasser wähle ich meist eine Verschlusszeit von 1/8 s bis 1/30 s. So werden Fliessspuren sichtbar, die Struktur des Wassers bleibt aber noch teilweise erhalten.

Längere Verschlusszeit bei Wasserfällen mit sichtbaren Fliessspuren
Fliesspuren beim Wasserfall, Nikon D750, Tamron f/2.8 15–30 mm, 15 mm KB, 1/8 s, f/13, ISO 50, Stativ, Spiegelvorauslösung

Welche Verschlusszeit bei vorbeifahrenden Fahrzeugen?

Die passende Verschlusszeit bei vorbeifahrenden Fahrzeugen hängt stark von der verwendeten Brennweite, dem Abstand zum Fahrzeug, der Geschwindigkeit des Fahrzeugs und der Bewegung der Kamera ab.

Hier lohnt es sich, bewusst auszuprobieren und zu experimentieren. Für einen Mitzieher können 1/30 s ein guter Startwert sein. Damit das Bild nicht überbelichtet wird, wählen Sie eine kleine Blendenöffnung oder verwenden bei hellem Licht einen ND-Filter.

Verschlusszeit beim Mitzieheffekt mit vorbeifahrendem Fahrzeug
Welche Verschlusszeit beim Mitzieheffekt? Nikon D7000, Sigma f/2.8–4 17–70 mm, 50 mm KB, 1/30 s, f/13, ISO 100

Welche Verschlusszeit bei Langzeitbelichtungen in der Stadt?

Wenn Sie punktuelle Lichtquellen mit einem Blendenstern versehen möchten, wählen Sie eine kleine Blendenöffnung. Das erfordert wiederum eine lange Verschlusszeit von zwanzig oder mehr Sekunden.

Lange Verschlusszeit bei Nachtaufnahmen mit Blendenstern
Blendensterne, Nikon D750, Sigma f/2.8 70–200 mm, 80 mm KB, 30 s, f/11, ISO 100, Stativ, Spiegelvorauslösung

Bewegungen einfrieren

Kurze Belichtungszeiten verwenden Sie, wenn schnelle Bewegungen scharf abgebildet werden sollen. Das ist typisch bei Sport, Tieren, spielenden Kindern oder Fahrzeugen.

Je schneller sich das Motiv bewegt und je näher es an der Kamera vorbeikommt, desto kürzer muss die Verschlusszeit sein. Ein Jogger in einiger Entfernung lässt sich vielleicht noch mit 1/500 s scharf fotografieren. Ein Vogel im Flug oder ein rennender Hund braucht deutlich kürzere Zeiten.

Gerade bei spielenden Kindern lohnt es sich, mit kurzen Verschlusszeiten zu experimentieren. Bei Vögeln im Flug oder schnellen Tieren sind sehr kurze Zeiten wie 1/2000 s oder 1/4000 s oft hilfreich.

Kurze Verschlusszeit friert einen Milan im Flug ein
Milan im Flug, Nikon D750, Sigma f/2.8 70–200 mm, 200 mm KB, 1/4000 s, f/4, ISO 220

Bewegungsunschärfe kreativ nutzen

Lange Verschlusszeiten verwenden Sie bei schlechten Lichtverhältnissen oder wenn Bewegung bewusst sichtbar werden soll. Beispiele sind Langzeitbelichtungen, fliessendes Wasser, Lichtspuren oder Mitzieh-Effekte.

Kurze Verschlusszeit friert die Bewegung eines Wasserfalls ein
Wasserfall, Nikon D7000, Tokina f/2.8 11–16 mm, 16 mm KB, 1/90 s, f/4.8, ISO 100
Lange Verschlusszeit macht fliessendes Wasser weich
Wasserfall, Nikon D7000, Tokina f/2.8 11–16 mm, 16 mm KB, 1/20 s, f/9.5, ISO 100

Bei längeren Verschlusszeiten brauchen Sie oft ein Stativ. Bei hellem Tageslicht kann zusätzlich ein ND-Filter nötig sein, damit das Bild nicht überbelichtet wird.

Verwackelte Bilder vermeiden

In der analogen Fotografie galt die Faustregel, dass die Verschlusszeit mindestens dem Kehrwert der Brennweite entsprechen sollte. Bei 50 mm Brennweite wählte man also mindestens 1/50 s, bei 200 mm mindestens 1/200 s.

Diese Regel ist auch heute noch ein guter Startpunkt. Moderne Bildstabilisatoren und eine ruhige Kamerahaltung erlauben zwar längere Zeiten. Gleichzeitig machen hochauflösende Sensoren kleine Verwacklungen stärker sichtbar.

Wenn Fotos trotz kurzer Verschlusszeit unscharf wirken, liegt das nicht immer an der Belichtungszeit. Auch ein falsch gesetzter Fokus, eine zu offene Blende oder eine zu geringe Schärfentiefe können eine Rolle spielen. Mehr dazu finden Sie im Beitrag schärfere Fotos machen.

Praxistipp

Wählen Sie zur Sicherheit lieber eine etwas kürzere Verschlusszeit als den Kehrwert der Brennweite. Bei 50 mm fotografieren Sie also besser mit 1/100 s statt mit 1/50 s, wenn Sie ganz sicher scharfe Bilder möchten.

Beachten Sie auch den Crop-Faktor. An einer Halbformatkamera wirkt eine Brennweite stärker vergrössernd. Dadurch sollten Sie die Verschlusszeit ebenfalls etwas kürzer wählen.


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Verschlusszeit, Blende und ISO: Zusammenspiel verstehen

Die Verschlusszeit lässt sich nie ganz isoliert betrachten. Wenn Sie eine kürzere Verschlusszeit wählen, fällt weniger Licht auf den Sensor. Das Bild wird dunkler. Um das auszugleichen, können Sie die Blende öffnen oder den ISO-Wert erhöhen.

Wenn Sie eine längere Verschlusszeit wählen, fällt mehr Licht auf den Sensor. Das Bild wird heller – aber Bewegungen werden schneller unscharf. Genau deshalb ist die Verschlusszeit nicht nur eine technische Einstellung, sondern ein wichtiges Gestaltungsmittel.

Ob ein Bild korrekt belichtet ist, lässt sich nicht nur auf dem Kameradisplay beurteilen. Das Histogramm hilft, Über- und Unterbelichtung besser zu erkennen.

» Das Zusammenspiel von Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert

Häufige Fragen zur Verschlusszeit

Ist Verschlusszeit dasselbe wie Belichtungszeit?

Ja. Beide Begriffe beschreiben, wie lange Licht auf den Sensor oder Film fällt. In der Fotografie werden Verschlusszeit und Belichtungszeit meist gleichbedeutend verwendet.

Welche Verschlusszeit brauche ich fĂĽr scharfe Fotos?

Als einfache Faustregel gilt: Die Verschlusszeit sollte mindestens dem Kehrwert der Brennweite entsprechen. Bei 100 mm wählen Sie also mindestens 1/100 s. Für mehr Sicherheit oder schnelle Motive wählen Sie eine kürzere Zeit.

Welche Verschlusszeit friert Bewegungen ein?

Für schnelle Bewegungen brauchen Sie meist Verschlusszeiten ab etwa 1/500 s. Für Sport, Tiere oder Vögel im Flug sind 1/1000 s, 1/1600 s oder noch kürzere Zeiten sinnvoll.

Welche Verschlusszeit eignet sich fĂĽr fliessendes Wasser?

Wenn Wasser weich und fliessend wirken soll, verwenden Sie längere Verschlusszeiten – zum Beispiel 1/4 s, 1 s oder mehrere Sekunden. Dafür brauchen Sie meist ein Stativ und bei Tageslicht oft einen ND-Filter.

Warum werden Fotos trotz kurzer Verschlusszeit unscharf?

Unschärfe kann nicht nur durch Verwacklung entstehen. Auch ein falsch gesetzter Fokus, zu geringe Schärfentiefe, ein bewegtes Motiv oder eine zu hohe ISO-Einstellung können dazu führen, dass ein Bild unscharf wirkt.

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